Kolumne

 

1. Zeckenalarm

Die Zecke wandert Richtung Norden und hat NRW auf dem Speisezettel.
Hilfsmittel im Angebot!

2. Robert Gernhard

Meine ganz persönlichen Erinnerungen an Robert Gernhardt und selbst die ärgsten Kritiker der Qualle haben selbst nicht mehr alle.
Danach schwiegen wir beide.

 

3. Handy

Mutti ist stolze Handy-Besitzerin und unerschrockene Kämpferin in Technologiefragen. Sie arbei-tet jetzt an der Unterhaltung zwischen reifem Gemüse und unreifer Technik.

4. TÜV- Termin

Date mit einem autorisierten Plakettenaufkleber. Man muss auch mal schweigen können, auch wenn es schwer fällt.

 

5. NRW- Lärmprofil

Lärm- und Meinungsvielfalt verlangt unorthodoxe Eigeninitiative, derweil Richtlinien völlig gelassen bleiben.

 
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Die Zecke wandert Richtung Norden und hat NRW auf dem Speisezettel. Hilfsmittel im Angebot!
So eine Zecke mag es gern warm und kuschelig, deswegen geht es ihr so richtig gut, wenn die Temperaturen steigen. Wenn Leiste, Achselhöhle, Kniekehle, Finger und Zehe vor Schweiß triefen, dann kommt der Zeckenspeichel so richtig auf Hochtouren. Um Witterung aufzunehmen, reichen dem Kleinvampir unsere Schwing-ungen und Ausdünstungen aus. Sind wir erst einmal geortet, werden wir perfide zielorientiert betäubt. Und dann geht’s zur Sache. Nach Zeckenlust wird gesaugt und gesaugt bis zum 200fachen des eigenen Körpergewichts. Kaum zu glauben, aber Platz ist in der kleinsten Hütte. Das wäre ja alles nur halb so schlimm, wenn, ja wenn das blinde “Kuscheltier” sich nicht auf die Völkerwanderung ausgerechnet Richtung Norden - begeben hätte. Seitdem steht NRW verstärkt auf der Speisekarte des saugenden Quälgeists.
Deswegen habe ich kurzerhand Verbotsschilder und Schilder mit dem Aufdruck “zeckenfreie Zone” mit abwehrenden Stoffen ausgehängt. Außerdem habe ich das Thema “Familienplanung” in Angriff genommen. Allerdings sind weder für mich noch für andere sichtbare Erfolge auszumachen.

 


Deswegen ist nach wie vor damit zu rechnen, dass ein Zeckenweibchen tut, was ein Zeckenweibchen tun muss, d. h. heißt Blutsaugen bis zum Abwinken, dabei zu wachsen, geschlechtsreif zu werden, irgendwann schlapp auf den Boden zu fallen, Eier zu legen, zu sterben. Und dann fängt alles wieder von vorne an. Das ist nur für Zecken schön!
Ausgerechnet wenn es uns in kühle Wälder und seichte Gewässer lockt, dann stellt uns die erbarmungslose Blutsau-gerin nach. Dabei fällt die Zecke nicht vom Baum auf vorbeikom-mende Warmblüter. Nein, höher als 1,5 Meter ist gar nicht ihr Revier. Sie bevorzugt die niedrigen Gewächse. Und hier könnten Sie initiativ werden. Entlauben Sie kurzerhand Ihren Garten, lichten Sie Büsche und Hecken. Alles was von der Sonne beschienen wird, ist für eine Zecke völlig uninteressant. Aber außerhalb der sonnen-durchfluteten Zonen ist Vorsicht angesagt! Denn da lauert sie auf den sich von alleine decken-dem Tisch und dabei hat sie viel, mitunter sogar sehr viel Zeit.
Wenn Sie Opfer wurden, handelt es sich auf jeden Fall um ein ungünstiges Tauschver-hältnis. Die Zecke hat Ihr Blut und im Gegenzug be-kommen Sie nichts, was sie wirklich haben wollen. Zur Auswahl stehen: die von Willy Burgdorfer

 


entdeckte Wanderröte oder auch Borreliose genannt (gegen die man nicht impfen kann) oder die Frühsommer-Meningo-Encephalitis (FSME) (dagegen kann man impfen, deswegen ist die Krankheit trotzdem nicht schön!) und andere ...Iosen, wie Ehrlichiose oder Babesiose. Na, haben Sie Ihren Favoriten entdeckt?
Sie wurden Opfer? Reden Sie dem Tier nicht länger gut zu, es möge sich aus dem Staub machen. Nein, greifen ganz einfach beherzt zur Zeckenzange. Dabei auf keinen Fall den Hinterleib zerquetschen! Bewahren Sie das Corpus Delicti, genau wie beim Schlangenbiss, einfach auf. Dann können Sie ein analytisches Gespräch mit Ihrem Arzt in Anwesenheit des Delinquenten - ob lebendig oder tot - führen.
Meine persönliche Empfehlung ist aber präventiver Natur. Vergessen Sie kleidungs-technisch allen modischen Schnickschnack. Wenn Sie bedingungslos sicher sein wollen, greifen Sie zum Ganzkörperkondom mit Sichtnetz. Er ist nicht zur zweckmäßig, sondern auch angenehm geräumig und luftdurchlässig. Als hübschen Nebeneffekt erhalten sie uneingeschränktes Aufsehen, und zwar nicht nur bei Zecken. Als Muster dient das abgebildete Exemplar.

 
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Meine ganz persönlichen Erinnerungen an Robert Gernhardt!

In Erinnerung an Robert Gernhardt, der am 30. Juni 2006 verstarb.
Der am 30.06.2006 verstorbene Robert Gernhardt (Preisträger des Heinrich Heine Preises der gleichnamigen Düsseldorfer Universität) hielt 2006 Gastvorlesungen auf dem Campus.

Ich habe mich mit einem Mann am Tresen unterhalten. Es handelte sich um ein gut anzusehendes Exemplar, das sich stark gemacht hat an der Muskelbank. Der unter Dreißigjährige war gestählt - jedoch nicht für alle Lebenslagen; ihm schläft immer mal wieder ein Körperteil ein. Wenn ich ehrlich sein soll, schön ist das nicht, wenn mal der Fuß und mal das Bein und mal was anderes einschläft. Auf jeden Fall sind unterschiedliche Gliedmaßen betroffen. Sie haben genug Phantasie, um da gedankentechnisch mitzugehen? Ein schläfriges Gehirn sieht man zum Beispiel auf den ersten Blick nicht, aber beim 2. ausgesprochenen Satz erkennt man am halb geöffneten Mund, den weit aufgerissenen starren und ausdrucklosen Augen und der anhaltenden Wortlosigkeit: hier muss ein langsamerer Gang eingelegt werden!

 


Wir unterhielten uns über Heinrich Heine. Er war der Meinung, den kennt doch keiner außerhalb Düsseldorfs oder in der Welt. Ist doch anders als Mozart, Schiller und Goethe. Ja sagte ich, stimmt, waren alles keine Lyriker. Er echote: "Lürischer?" Okay, dabei wollte ich vom schlichten Dichten noch gar nicht berichten. Auf jeden Fall war klar, der große Sohn Düsseldorfs hat es immer noch schwer in die Köpfe und Herzen mancher Bewohner vorzudringen. Das bewahrheitete sich auch, als ich einen iranischen Studenten auf dem Campusgelände der Heinrich-Heine-Universität nach dem Gebäude für die Lesung des Heinrich-Heine-Preisträgers fragte. Das Gebäude konnte er mir unverzüglich zeigen, der Name Heinrich Heines war ihm aber absolut nicht geläufig, ich solle mir nichts daraus machen, auch die weltweit gehandelten deutschen Tennisgrößen kenne er nicht.
Auf jeden Fall habe ich im Hörsaal den Ausführungen des Heinrich-Heine-Preisträgers Robert Gerhardt gelauscht, der am gleichen Tag, nur um läppische 140 Jahre zeitversetzt, wie Heine geboren ist. Aber an den Schwierigkeiten von einst hat sich bis heute nichts geändert: Das Gedicht zählt wenig, der Dichter nichts.

Zurück zum Tresen. Ich erzählte dem Muskelmann von Gernhardts Ausführungen im Zusammenhang mit dem

 


Zehnkämpfer Frank Busemann. Auf jeden Fall war aus eben jenem Munde Gernhardts zu hören: in einem allzu gesunden oder allzu geschundenen Körper müsse nicht immer der hellste Geist stecken. Der Köder funktionierte und der junge Athlet pflichtete ganz eifrig und bestätigend bei: "Da ist aber wirklich was dran!"
Ich wusste - wie Heine - nimm Häppchen vom Feinsten und er heimst es. Und dann fiel mir wieder der Vers ein: "Die ärgsten Kritiker der Qualle haben selbst nicht mehr alle." Danach schwiegen wir beide.

 
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Mutti ist stolze Handy-Besitzerin und unerschrockene Kämpferin in Technologiefragen
Sie arbeitet jetzt an der Unterhaltung zwischen reifem Gemüse und unreifer Technik
Mutti = M; Ich = I
M: Übrigens, hast du eine Handy?Nr. mit den Endziffern 85?
I: Ja. Hast du dir nur die letzten beiden Zahlen gemerkt? Das reicht aber nicht für einen Zweitanruf.
M: Mensch, man glaubt es nicht, für die läppischen 20 Minuten Gespräch mit dir, haben die mir doch fast 4 Euro berechnet. Gerade habe ich übrigens auf deine Telefonrechnung geguckt. Das darf man ja nicht, aber ich war fast alleine, nur Bello war noch dar, aber der sagt ja nichts. Du zahlst doch tatsächlich noch mehr als ich. Aber bei den Gebühren ... da steht bei mir was anderes. Kann ich noch mal gucken, da stimmt doch was nicht!
I: (Betretenes Schweigen) Klar, stimmt da was nicht, du hast keinen Internet-Anschluss. Dafür bist du besonders prädestiniert ganz lange mit einem Handy zu telefonieren.
M: Du glaubst gar nicht, was ich schon für einen Ärger mit dem Handy hatte.
I: Ach.
M: Nach Monaten finde ich mein Handy beim Bezahlen auf dem Markt mit einem Mal im Einkaufskorb wieder. Und was ist? Nichts ist. Das Handy war gesperrt wegen falschen PIN/Codes.
I: Und den hast du dann mit Hammer und Schraubenzieher geknackt?
 
M: Ehrlich gesagt, ich hab’ den gar nicht geknackt. Ich bin in so einen Laden…na, du weißt schon, wo es früher richtiges Telefon in groß gab, gegangen. Da war dann ein freundlicher junger Mann, mit viel Promenade in den Haaren und der hatte Wörter drauf. Also, solche Ausdrücke würde ich nicht in den Mund nehmen! Ich konnte ja nicht jedes Mal nachfragen, was das bedeutet, da wäre ich ja heute noch schwitzend in dem Tresenladen mit dem warmen Licht und der vielen Kleintechnik. Auf jeden Fall sagte er mir doch tatsächlich, das Guthaben auf irgend so einer Karte ist komplett vertelefoniert. Ist doch nicht möglich, nicht einmal habe ich telefoniert und trotzdem ist das ganze Guthaben weg. War auf jeden Fall doch möglich. Ich habe dem jungen Mann gesagt, jetzt will ich auf jeden Fall telefonieren und dafür müsste das Telefon schon funktionieren. Er hat das dann auch geschafft. Da macht man was mit!
I: Na, dann ist die Welt ja wieder in Ordnung.
M: Dachte ich auch, aber nach Wochen ging alles wieder von vorne los. Ich wollte telefonieren und es kam wieder die Meldung falscher PIN/Code.
I: Das glaube ich jetzt nicht.
M: Ich wollte es auch nicht glauben. Also, ich wieder ab in den Laden. Dieser eifrige Nadelstreifenträger erkannte mich doch tatsächlich auf Anhieb wieder. Verstehst du warum, ich passe doch gar nicht in sein Beuteschema?
I: Es reicht ja, wenn du seine favorisierte Kundin bist.
 
M: Da sagt doch dieser mit erlesenem Tuch gekleidete Verkäufer, ich sollte den Codestreifen mitbringen. Die haben aber auch Vokabeln heute. Auf jeden Fall sollte ich erst mal wieder nach Hause fahren und diesen Streifen holen. Hätte er doch gleich sagen können. Damit er seinen Codestreifen nicht vergisst, trägt er womöglich immer gestreifte Anzüge.
I: Hör mal, da läuft doch was schief, anstatt das du ihn auf Trab bringst, bringt er dich auf Trab.
M: Wart’ ab, ich bin noch nicht fertig. Hätte er ja mal vorher sagen sollen, dass man nie ohne Codestreifen aus dem Haus gehen soll. Ich komme auf jeden Fall mit dem Streifen und was sagt dieser Pomadencowboy für Arme, ich sollte das Handy nicht als Spardose benutzen.
I: Wie, bekommt man jetzt Zinsen für ein Handy?
M: Seiner Meinung nach hat die im Voraus bezahlte Karte, er nennt die ja Priepeitkarte, noch reichlich Guthaben, war ihm wohl zu viel. Letztes Mal war die ja leer, obwohl ich gar nicht telefoniert hatte. Ob der denkt, nur ihm zu Liebe gehe ich jetzt wöchentlich 2 Mal auf den Markt, damit das Gemüse sich im Korb an das Handy schmiegt? Na hör mal, ich muss doch nicht durch Langzeitgespräche der reifen Kohlrabi und der großblättrigen Petersilie am Mobiltelefon den Arbeitsplatz von diesem Hausierer für diese technisch unreifen Kleinplastikschalen sichern? (und dann fast tränenunterdrückt) Ich will doch nur ein Handy für mich, zum Telefonieren.
 
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Es war ein wunderschöner Montagmorgen, genau der richtige Tag, um die wirklich wichtigen Dinge des Lebens in Angriff zu nehmen.
Die Sonne schien, die Vögel zwitscherten, ich hatte frei, war ausgeschlafen und überhaupt... Mein Auto brauchte dringend einen Besuch in einer Werkstatt, weil ein TÜV-Besuch anstand. Am Telefon bekam ich die Auskunft: “EinWerkstatt-Termin, nein völlig unmöglich, so kurzfristig ein Termin, was denken Sie wie wir arbeiten?” Dann nicht! Wie sieht es denn mit einem TÜV-Termin in der nächsten Woche aus? Ebenfalls Fehlanzeige. Aber jetzt, sofort in 2 Stunden könnte ich einen TÜV-Termin haben. Na gut, besser einen als keinen Termin!
Gedanklich ging ich eventuelle Mängel am Auto durch, konnte aber keine gefühlten gravierenden Dinge feststellen. Na gut, dann werde ich in eine saubere Optik an allen Stellen investieren.

Mein Fortbewegungsmittel be- kam alles, was sein metallenes Herz reinigungstechnisch begehrte. Unterbodenwäsche, Felgenwäsche, Schutz für unten und Heißwachs von oben, eine Innen- und Außenreinigung sowieso. Mehr Pflegeprogramm wurde nicht angeboten.

 


Wir unterhielten uns über Heinrich Heine. Er war der Meinung, den kennt doch keiner außerhalb Düsseldorfs oder in der Welt. Ist doch anders als Mozart, Schiller und Goethe. Ja sagte ich, stimmt, waren alles keine Lyriker. Er echote: "Lürischer?" Okay, dabei wollte ich vom schlichten Dichten noch gar nicht berichten. Auf jeden Fall war klar, der große Sohn Düsseldorfs hat es immer noch schwer in die Köpfe und Herzen mancher Bewohner vorzudringen. Das bewahrheitete sich auch, als ich einen iranischen Studenten auf dem Campusgelände der Heinrich-Heine-Universität nach dem Gebäude für die Lesung des Heinrich-Heine-Preisträgers fragte. Das Gebäude konnte er mir unverzüglich zeigen, der Name Heinrich Heines war ihm aber absolut nicht geläufig, ich solle mir nichts daraus machen, auch die weltweit gehandelten deutschen Tennisgrößen kenne er nicht.
Auf jeden Fall habe ich im Hörsaal den Ausführungen des Heinrich-Heine-Preisträgers Robert Gerhardt gelauscht, der am gleichen Tag, nur um läppische 140 Jahre zeitversetzt, wie Heine geboren ist. Aber an den Schwierigkeiten von einst hat sich bis heute nichts geändert: Das Gedicht zählt wenig, der Dichter nichts.

 


Zurück zum Tresen. Ich erzählte dem Muskelmann von Gernhardts Ausführungen im Zusammenhang mit dem Zehnkämpfer Frank Busemann. Auf jeden Fall war aus eben jenem Munde Gernhardts zu hören: in einem allzu gesunden oder allzu geschundenen Körper müsse nicht immer der hellste Geist stecken. Der Köder funktionierte und der junge Athlet pflichtete ganz eifrig und bestätigend bei: "Da ist aber wirklich was dran!"
Ich wusste - wie Heine - nimm Häppchen vom Feinsten und er heimst es. Und dann fiel mir wieder der Vers ein: "Die ärgsten Kritiker der Qualle haben selbst nicht mehr alle." Danach schwiegen wir beide.

 
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Selbst beim Wissenmagazin Q 21 ist das Thema “NRW-Lärmprofil” auf offene Ohren gestoßen. Doch zunächst: NRW ist schön! Keine Frage.
Aber auf den 2. Blick, beim genauen Hinhören, ist NRW ein Geräusch-Eldorado. Und da Superlative ja super sind: nirgendwo sonst gibt es so viele Flughäfen in einem Bundesland wie in NRW. Da kommt eins zum anderen. Außerdem haben wir ein Verkehrsnetz vom Feinsten und die nächste Superlative: wir sind am dichtesten besiedelt in der Region. Warum sollen wir ausgerechnet beim gefühlten und tatsächlichen Geräuschpegel hinten anstehen und auf ein Wunder warten?

Ich weiß nicht, ob die geräuschgeschwängerte Luft bis Brüssel gedrungen ist, auf jeden Fall hat die EU-Kommission den Mitgliedsstaaten in Form der “Umgebungslärmrichtlinie” was auf die Ohren gegeben. Jetzt gilt: es wird kartiert, was die Karten hergeben. Gleich 12 Kommunen mit über 250.000 Einwohnern sind aufgefordert, was zu tun. Die Gemeinden starrten wie gebannt in ihre Haushaltskasse - manche schauen wohl immer noch. Nur das Dorf an der Düssel mit eigenem Flughafen nahm Geld, Karte, Gutachten und Co. zur Hand, blieb unerschrocken und ging an die Arbeit.

 


Dabei stellte sich heraus, an manchen Örtlichkeiten gibt es einfach zu viel für die Gehörgänge, darunter fällt eine im Dorf bekannte vielbefahrene Verkehrsader. Wer hier wohnt, kann aktiv werden und bei der Kommune einen 50%-Zuschuss für die Fenster beantragen. Aber an dieser Straße wird nicht nur gewohnt, sondern auch gearbeitet. Das sind zwei unterschiedliche Tätigkeiten, auch aus Lärmschutzsicht.
Wie bekannt, ist ein Arbeitsplatz nicht zwangsläufig ein wohnlicher Platz, dafür dient aber eine Wohnung u. a. der Erholung und dem Erhalt der Arbeitskraft.
Und was ist, wenn Arbeitsplatz und Wohnplatz nebeneinander liegen? Für das Wohngebäude gibt es Zuschüsse, Lärmschutzfenster und Lärmschutzwand. Dagegen gilt das nicht für das Gebäude in dem gearbeitet wird - schließlich soll sich hier auch nicht erholt werden. Hier gibt es weder Zuschuss noch Lärmschutz. Da wackeln doch die Ohren, womöglich nach 8 Stunden Arbeit etwas langsamer und gehört wird schwerer. Dabei ist die Broterwerbsstätte nicht etwa von vorgestern, nein, sie ist saniert, Brandschutz und Verwandte haben Einzug gehalten. Sogar die Feuerwehr steht häufiger vor der Tür wegen einem Toaster der raucht, Zigaretten die qualmen, Schleifstaub vom Handwerker…

 
Wie auch immer. In Deutschland gibt es unterschiedliche Lärm- und Meinungsquellen. Und unter den gegebenen Umständen sollte besser im Wohngebäude gearbeitet und der Arbeitsplatz gemieden werden. Nur wenn es nicht möglich ist: Wie wäre es mit mobilen Lärmschutzwänden? Hier heißt es: Initiative zeigen und die Lärmschutzwand daheim demontieren und am Arbeitsplatz temporär montieren. Daheimgebliebene Hamster, Kanarienvögel und Blattläuse müssen derweil ohne den Ohrendämpfer klarkommen.

Die EU-Richtlinie bleibt derweil völlig gelassen. Selbst Herz- und Kreislauferkrankungen kennt das Druckwerk nicht.